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Wir haben die Macht

Eine Rezension zum neuen Buch von Roland Rottenfußer - »Strategien der Macht«




Tom-Oliver Regenauer | 10.03.2023

Ich war schon immer ein freiheitsliebender Mensch. Ob als Kind in der Schule, das seinem überbordenden Tatendrang nicht folgen durfte, oder in den verworrenen Hierarchien internationaler Konzerne, in denen ich später als Manager tätig war – mit Autoritäten konnte ich mich nie anfreunden. Vor allem deshalb, weil sich deren Durchsetzung zumeist im Gebot der Einhaltung sinnfreier Reglements manifestiert. Und sinnlose Regeln befolge ich nun einmal nicht. Macht übt Macht häufig um ihrer selbst willen aus. In einem Rausch der Selbstbesoffenheit. Sie tritt in Form stumpfer Befehle zu Tage, in widersinnigen Aufgaben, befremdlichen Verboten und offenbarendem »Micro-Management« von Vorgesetzten, die keine Autorität besitzen – aber Macht. Für die willfährige Teilnahme an solch einer »Truman Show« war mir das Leben schon immer zu kurz und wertvoll.

 

Schon aus diesem Grund schätze ich das neue Buch von Roland Rottenfußer mit dem Titel »Strategien der Macht«. Denn der versierte Autor und Chefredakteur des Rubikon-Magazins liefert mit seinem Werk keine weitere Analyse der organisatorischen oder finanziellen Machtstrukturen supranationaler »Corporate Governance« – dahingehend ist der Markt gesättigt –, sondern ein Plädoyer für Freiheit, eine erfrischend andere Perspektive, einen tiefergehenden, durchdringenderen Blick auf die Probleme unserer Zeit. Denn diese nehmen ihren Ursprung, entgegen der landläufigen Wahrnehmung, oft nicht im Außen, sondern im Innen. Beim Individuum selbst, das aus einer Vielzahl von Gründen, denen Rottenfußer in fesselnder Schreibweise nachstellt, immer wieder bereit ist, sich illegitimen Machtstrukturen zu unterwerfen.

 

Das am 20. März 2023 erscheinende und gut 400 Seiten starke Buch wendet sich gleichsam an jene, die die international dominierenden Machtstrukturen längst verstanden und durchschaut haben als auch an Leser, die erst aufgrund der Corona-Krise oder des Ukraine-Konfliktes begonnen haben zu verstehen, dass sie nicht wirklich in einem freiheitlich-demokratischen System leben. Rottenfußer dokumentiert nicht nur die zivilisationshistorischen Entwicklungen, Prozesse, Hebel und Methoden, mit denen sich Macht etabliert, sondern seziert darüber hinaus in mühevoller Kleinarbeit die Mentalität der Mächtigen, die kranke Psychologie der Herrschens sowie die Destruktivität des neofeudalen Raubtierkapitalismus. Und das aus einem Winkel, den jeder nachvollziehen kann, weil der Mensch im Mittelpunkt von Rottenfußers literarischer Obduktion des Status Quo steht. Das eine Puzzleteil im dystopischen Trugbild der »Zeitenwende« also, das jeder Leser dieser Zeilen aktiv beeinflussen kann.

 

Hier verortet sich unter Umständen auch der größte Zugewinn bei der Lektüre von Rottenfußers Buch – denn anstatt nur Probleme herauszustellen und den schieren Wahnsinn des herrschenden Krisen-Kanons zu kommentieren, was schlussendlich eher ein Gefühl von Ohnmacht befeuert als zu freiheitlicher Lebensgestaltung zu motivieren, zeigt der kluge Denker gangbare Wege auf, mit den Herausforderungen der oktroyierten Kulturrevolution von oben umzugehen, ohne dabei intellektuell wie emotional kapitulieren zu müssen.

 

Anhand einer Vielzahl von Zitaten und in Stein gemeißelten Erkenntnissen von Vordenkern wie Erich Fromm oder George Orwell kontextualisiert der Autor hochaktuelle Themenkomplexe wie Technokratie, Propaganda oder biologische Devolution und unterstützt den Leser auf diese Weise bei der persönlichen Einordnung manch einer beängstigenden Entwicklung. Sein Buch ist Munition für persönliches »Empowerment«. Für Selbstermächtigung.

 

Im Laufe von neun kurzweilig formulierten, dicht recherchierten und höchst informativen Kapiteln mit Überschriften wie »Das Wesen der Macht«, »Die Pandemie des Gehorsams« oder »Die Wiedereroberung der Freiheit« macht Rottenfußer klar, dass die aktuelle Situation kritisch, aber eben nicht hoffnungslos ist. Dass Freiheit es im Spannungsverhältnis zu postmodernen Machtstrukturen und Herrschaftskonglomeraten leichter hat, die Oberhand zu gewinnen. Dass die Autonomie des Individuums bei der sozioökonomischen Weiterentwicklung der modernen Gesellschaftsordnung nicht verloren gehen muss. Dass Kollektivismus ungleich Freiheit ist. Denn Freiheit basiert nicht auf mühsam konstruierten und damit stets instabilen Lügengebilden, Strohmännern oder Scheinargumenten – sondern auf Wahrheit.

 

»Wenn Du Deinen Feind und Dich selbst kennst, brauchst Du das Ergebnis von 100 Schlachten nicht zu fürchten«, notierte dereinst der chinesische General, Militärstratege und Philosoph Sun Tzu (544 v. Chr. – 496 v. Chr.).

 

Kaum ein Aphorismus charakterisiert treffender, wofür man »Strategien der Macht« im Bücherregal stehen haben sollte. Ist es doch exakt die von Sun Tzu beschriebene Aufgabe – das Kennenlernen des Feindes, der wir uns oft genug selbst sind – die Rottenfußers neue Publikation geradewegs zu einer Notwendigkeit unserer Zeit macht. Zu einem Aufschrei, einem Hilferuf in Ketten, der sich zu keinem besseren Zeitpunkt hätte erheben können. Zu einem Weckruf für jene, die Freiheit nie verstanden haben, weil sie nie von ihr Gebrauch machen konnten.




Bilder: Rubikon-Verlag


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